Myopie (oft Kurzsichtigkeit genannt) ist ein Thema der Augengesundheit, dessen Eltern sich bewusst sein sollten.

Was ist das? Nach der Beantwortung von sechs Fragen erfolgt eine spezifische Beratung basierend auf dem Risiko Ihres Kindes zur Myopie-Entwicklung oder -Verschlechterung.

Was ist Myopie?

Myopie ist verschwommene Fernsicht, meist als Kurzsichtigkeit bezeichnet. Eine Person mit Myopie kann in die Nähe deutlich sehen, beim Lesen eines Buches oder beim Betrachten des Telefons – aber Worte und Objekte auf einer Wandtafel, beim Fernsehen oder beim Autofahren sind unscharf. Mit Brillengläsern ist es aber nicht getan!

Die Prävalenz unter australischen 12-Jährigen hat sich in 6 Jahren verdoppelt. Kurzsichtigkeit bei Kindern tendiert dazu, während der Kindheit zuzunehmen oder sich zu verschlechtern. Höhere Myopiewerte sind mit grösseren Risiken für Augenkrankheiten im Erwachsenenalter verbunden. Wenn Ihr Kind bereits eine Brille trägt, können Sie etwas tun, um die Verschlechterung der Sehleistung zu verhindern. Wenn es noch keine Brille benötigt, können Sie das Risiko einer Myopie beurteilen.

  • Myopie ist der Fachbegriff für Kurzsichtigkeit. Kurzsichtigkeit tritt auf, wenn der Augapfel in der Kindheit zu schnell wächst oder im Erwachsenenalter wieder zu wachsen beginnt.

  • Myopie im Kindesalter wird am häufigsten dadurch verursacht, dass die Augen zu schnell oder nach dem Alter von 10 bis 12 Jahren weiter wachsen, wenn das Augenwachstum normalerweise aufhören sollte. Genetik, die Umwelt und die individuellen Gegebenheiten können alle zu diesem übermässigen Wachstum beitragen.

  • Bei jüngeren Kindern entwickelt sich die Myopie schneller, weil ihre Augen schneller wachsen, was zu einer höheren Kurzsichtigkeit führt. Dies wiederum bedeutet stärkere Gläser und mehr Gesundheitsrisiken für das Auge.

  • Der Start der Myopie im Erwachsenenalter tritt in der Regel als Anpassung an ermüdende Seharbeit auf. Als Ursache sieht man eine signifikante Zunahme der Tätigkeiten auf kurze Distanzen.

Warum sollte ich mir Sorgen machen?

  • Myopie tritt bei Kindern weltweit immer häufiger auf – die Prävalenz unter australischen 12-Jährigen verdoppelte sich zwischen 2005 und 2011.

  • Das durchschnittliche Alter für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit wird tiefer – ein früherer Beginn bedeutet schnelleres und stärkeres Augenwachstum, was die Wahrscheinlichkeit von hoher Myopie erhöht. Entsprechend steigen die Risiken für Augenerkrankungen, wie beispielsweise:

  • Netzhautablösung – die lichtempfindliche Schicht auf der Rückseite des Auges löst sich von ihrer Unterlage, wodurch verzerrte Sicht oder partielle Erblindung, je nach Ort des Vorfalls, resultieren können.

  • Makuladegeneration aufgrund hoher Myopie – dies bedeutet reduzierte Sehleistung oder Verlust des zentralen Sehens. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Schmutzfleck immer genau da, wo Sie hinschauen wollen.

  • Glaukom (grüner Star) – erhöhter Druck im Auge, der das periphere Sehen schädigt. Das Gesichtsfeld wird eingeschränkt. Die meisten Menschen bemerken die Symptome erst, wenn die Krankheit sehr weit fortgeschritten ist.

  • Katarakt (grauer Star) – die Trübung der Augenlinse führt zu verschwommenem Sehen, als würde man durch eine beschlagene Frontscheibe schauen.

  • Die durchschnittlichen Kosten für Brillen oder Kontaktlinsen betragen für eine kurzsichtige Person, über das ganze Leben gesehen, mehr als € 45'000. Höhere Kurzsichtigkeit reduziert die Lebensqualität und ist teurer.

Was verursacht Myopie?

  • Immer mehr Zeit mit Sehen in die Nähe zu verbringen, wird mit der Entwicklung von Kurzsichtigkeit in Verbindung gebracht. Seharbeit auf nahe Distanzen entsteht beim Lesen, Spielen am Computer, Zeichnen oder dem Blick auf Smartphones und Tablets.

  • Elektronische tragbare Geräte sind für Kleinkinder leicht zu benutzen, was bereits in frühen Jahren zu einer Zunahme des Sehens auf nahe Distanzen führt.

  • Kurzsichtigkeit kann erblich bedingt sein. Die ethnische Zugehörigkeit und der familiäre Hintergrund einer Person können das Risiko erhöhen.

  • Forschungsergebnisse deuten auf eine Verbindung zwischen asiatischer Abstammung und schnellerem Fortschreiten der Myopie hin, mit einer weltweit höheren Prävalenz in dieser ethnischen Gruppe.

  • Eine Person mit einem kurzsichtigen Elternteil hat das dreifache Risiko, Myopie zu entwickeln - oder das sechsfache Risiko, wenn beide Eltern kurzsichtig sind.

  • Einige Studien zeigen, dass Kinder eher kurzsichtig sind, wenn ihre Eltern einen gymnasialen Abschluss haben oder zur Universität gegangen sind.

  • Unter- oder überkorrigierende Sehhilfen (falsche Brille oder aber keine Brille, obwohl sie benötigt wird) fördern die Entwicklung und Progression einer Myopie.

Wie kann ich Myopie verhindern oder verlangsamen?

  • Das Wahrnehmen von frühen Anzeichen der Myopie, bevor sie sich vollständig entwickelt, kann helfen den Beginn und die Zunahme zu verlangsamen.

  • Kinder sollten nicht mehr als drei Stunden am Tag – neben der Schulzeit – mit Tätigkeiten in die Nähe verbringen. Gemeint sind lesen, Hausaufgaben erledigen oder Zeitvertreib vor Bildschirmen.

  • Wenn Sie einen Computer benutzen, stellen Sie sicher, dass er richtig positioniert ist um eine Überanstrengung der Augen zu vermeiden. Machen Sie alle 20 Minuten eine Pause, indem Sie 20 Sekunden lang durch den Raum schauen.

  • Smartphones sind beliebt bei Kindern und Jugendlichen um zu chatten, Social Media zu nutzen, zu lesen und zu spielen - aber zu viel Zeit vor dem Bildschirm ist verbunden mit Kurzsichtigkeit, kann trockene Augen verursachen und erhöht die Gefahr von Augenschäden und Krankheiten im Erwachsenenalter, ähnlich wie Schäden durch UV-Strahlung.

  • Das Blaulicht von Tablets und Smartphones kann langfristig die Gesundheit der Augen schädigen und den Schlaf beeinflussen. Obwohl es noch keine Richtlinien gibt, wie lange die maximale Zeit vor dem Bildschirm bei Kindern zu sein hat, sollen diese Geräte zumindest ab drei Stunden vor dem Schlafengehen gemieden werden. Dies gilt auch für Erwachsene.

  • Das Risiko der Myopie kann mit mindestens 90 Minuten Spiel und Sport im Freien reduziert werden – bloss draussen zu sein mit dem Blick auf Ihr Tablet oder Smartphone zählt nicht!

  • Man kann zeigen, dass sich das Aufhalten im natürlichen Tageslicht vorteilhaft auswirkt auf eine Verlangsamung der Entwicklung und Zunahme der Myopie – aber UV-Schutz ist immer wichtig, das Tragen von Sonnenbrille und Hut ist Pflicht.

Mein Kind ist bereits kurzsichtig!

  • Spezielle Kontaktlinsen-Designs und Orthokeratologie bieten derzeit die besten Möglichkeiten zur Sehkorrektur, um die Zunahme der Kurzsichtigkeit zu verlangsamen.

  • Forschungsergebnisse zeigen, dass spezielle Brillengläser das Fortschreiten der Myopie verlangsamen, wenn auch nicht in gleichem Masse wie Kontaktlinsen. Die Option mit Brillengläsern macht nur dann Sinn, wenn zusätzlich Auffälligkeiten der Augen-Grundstellung vorhanden sind.

  • Atropin-Augentropfen zeigen eine Verlangsamung der Myopie-Zunahme und deren Nutzung wird immer beliebter.

Nützliche Quellen

Besuchen Sie unseren MyKidsvision Blog für die neusten Forschungsergebnisse zur Myopie und unsere Tipps zu deren Management gemäss unseren Erfahrungen aus der Praxis.

Myopiaprevention.org ist eine Website, die sich der Myopie widmet und bietet eine Fülle von Informationen mit Links zu wissenschaftlichen Arbeiten.

Info

My Kid’s Vision ist ein Informationstool, das von den Optometristen Paul und Kate Gifford entwickelt wurde. Es wird laufend weiterentwickelt. Während der Entwicklung des Onlinetools Myopie Profile (dieses unterstützt Optometristen im Umgang mit kurzsichtigen Patienten) erkannten wir den Bedarf für eine Informationsquelle, die Eltern das Thema Kurzsichtigkeit näher bringt und Schritte aufzeigt, die ihren Kindern helfen.

Dr Kate Gifford PhD ist eine prominente Optometristin, die seit über zehn Jahren engagiert Personen mit Myopie betreut. Von ihren Kollegen wird sie als globale Expertin für Kurzsichtigkeit und deren Management in der Praxis angesehen.

Dr Paul Gifford PhD ist ein Kontaktlinsenforscher und Lehrbeauftragter an der University of New South Wales. Seine Forschungsinteressen umfassen die Verwendung von Kontaktlinsen um das Fortschreiten der Myopie zu kontrollieren.

Diese Website wurde freundlicherweise von Jasmin Marti auf Deutsch übersetzt.